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Automatische Schnelltelegraphieanlage MFA

Automatische Schnelltelegraphieanlage MFA; hergestellt von Uhren- & Apparatefabrik W. Moser - Baer, Sumiswald.

Von der Firma Moser - Baer in Sumiswald, gleichenorts existiert heute noch das Feinmechanik / Elektronikunternehmen Mobatec und der (Zentral-)Uhrenhersteller Mobatime, wurde in den vierziger Jahren ein Schnelletelegraphiesystem entwickelt, welches in der Schweizer Armee unter anderem in den schweren Funkstationen M1K und G1,5K sowie der C-Station zum Einsatz kam.

Da zur Umsetzung in Klarschrift weiterhin Morsekenntnisse notwendig waren und die Qualität der Ausdrucke bei schlechten Übertragungsbedingungen eine schlechtere Qualität als das Mithören der Morsezeichen durch einen geübten Telegraphisten ergaben, wurde die Betriebsart Schnelltelegraphie nicht weiter verfolgt. Moser-Baer Schnelltelegraphieanlage MFA

Technische Daten

Stromversorgung

Dimensionen

  • Tastgerät GS200b: 420 x 290 x 290 mm; 19 kg
  • Schreibgerät SR200b: 420 x 290 x 290 mm; 23 kg
  • Streifenlocher SLb: 600 x 320 x 350 mm; 37 kg
  • Streifenzieher in Zubehörkiste: 495 x 320 x 340 mm; 43 kg

Zubehör

Anlagematerial

In den Vierzigerjahren wurde bei der Rekrutierung des notwendigen Betriebspersonals für die Grossstationen rasch schmerzhaft klar, dass in Morsetelegraphie ausgebildete Funker fehlten. Es wurde versucht, die Gebe- und Lesegeschwindigkeit der Soldaten mit obligatorischen Kursen und sogar Zusatz-WKs zu verbessern, die Lernkurve verläuft aber nicht allzu steil.

Zur Nachrichtenübermittlung war auf den Grossstationen auch der Einsatz des Streifenschreibers System „Hell“, ein Quasi-Facsimileverfahren mit direkten Ausdruck der Nachricht auf Papierstreifen, vorgesehen. Dieses konnte aber oftmals nicht wirkungsvoll eingesetzt werden, da dem Funkerpersonal die betriebstechnische Erfahrung und Ausbildung fehlte und der verwendete Empfänger Lo509/1 an Empfindlichkeit und die Aussendung an Stabilität zu wünschen übrig liess. Hellschreiben als Betriebsart wurde wenige Jahre nach der Einführung 1940 (ca. 1944) wieder verlassen, nur auf Langwelle waren einigermassen stabile Verbindungen möglich.

Als Ersatz des „Hellschreibers“ wurde 1942 entschieden, ein Gerät ähnlich der von der Uhrenfabrik Moser-Baer entwickeltem zu Ausbildungszwecken eingesetzten „Sendegarnitur AMS“ zur automatisierten Schnelltelegraphie einzusetzen und der Auftrag dafür 1944 an „Moser-Baer“ erteilt.

Die Grossstationen G1,5K (SE-302), M1K (SE-403) und C-Station / G1,2K (SE-404) wurden definitiv 1948 auf die Schnelltelegraphie Moser-Baer umgerüstet und das System für einige Jahre betrieben. Allerdings wurde bei der Einführung der Umstand unterschätzt, dass zum visuellen Ablesen der gedruckten Morsezeichen wiederum Morsekenntnisse vonnöten waren, so dass die ungeübten Telegraphisten auch mit dem Auswerten der gedruckten Streifen lange beschäftigt waren. Geübte Morsefunker, und solche leisteten auf den Stationen auch Dienst, konnten relativ hohe Gebegeschwindigkeiten ohne Ausdruck nach Gehör aufnehmen und ebenso rasch niederschreiben, so dass auf den Umweg des Ausdrucks auf Papierstreifen verzichtet werden konnte - bis zur Einführung von Telephonie und (automatisch verschlüsselter) Fernschreibverfahren wurde wieder auf die gute Morsetelegraphie „nach Gehör“ und verbesserte Ausbildung der Mannschaft zurückgegriffen.

Die Schnelltelegraphieanlage besteht aus einem Streifenlocher SLb, auf dem Texte über eine Schreibmaschinentastatur eingegeben werden und der die Morsezeichen (nach dem Wheatstone-Verfahren: Punkt = zwei einander gegenüberliegende Stanzlöcher auf beiden Seiten der Transportperforation, Strich = zwei um einen Schritt versetzte Stanzlöcher) auf einen Lochstreifen stanzt.
Moser-Baer MFA: Streifenlocher

Der Lochstreifen wird in den Geberkopf des Tastgeräts GS200b eingeführt, dort abgetastet und das so generierte Morsesignal auf das Tastrelais des Senders oder einen Mikrophoneingang (A2) gegeben.
Moser-Baer MFA: Tastgerät

Auf der Empfangsseite wird das Morsesignal vom Empfängerausgang auf das Schreibgerät SR200b gegeben, vom welchem die Zeichen auf Papierstreifen gedruckt wurden.
Moser-Baer MFA: Schreibgerät

Die Streifen konnten in einen mechanischen Streifenzieher eingelegt werden, beim Druck auf ein Pedal wurde der Streifen zum Ablesen am Auge des Funkers vorbeigeführt, dort wurde die Nachricht auf ein Telegrammformular niedergeschrieben.
Moser-Baer MFA: Streifenzieher

Die ganze notwendige Chiffrierung / Dechiffrierung musste manuell mit Chiffriermaschinen oder manuellen Chiffrierverfahren erfolgen.

Technisches Prinzip

Röhrenbestückung

Tastgerät GS200b: ECH21, AZ1
Schreibgerät SR200b: ECH21, EBL21, AZ1

Entwicklung

1942 beauftragte die KTA die Präzisionsmechanik-Firma Moser-Baer mit der Entwicklung eines Schnelltelegraphiesystems, 1944 erfolgte der Auftrag zu einer ersten Geräteserie. An der Mustermesse Basel (MuBa) wurde die Anlage 1945 dem Publikum gezeigt, allerdings wurde jede Information über den mit der Armee bestehenden Auftrag untersagt.

Einsatz

Von der Anlage wurden 1947/49 eine erste Tranche von 60 Geräten und 1949/51 weitere zwölf Geräte beschafft. In der Dokumentation „Funkstationen der Armee“ ist allerdings von einer Zahl von 49 Geräten zu einem Stückpreis von 18'000.- Fr, die Rede, die Anlage wurde in den schweren Funkstationen M1K und G1,5K der Funkerkompanien sowie der C-Station von den Flieger - Funkerkompanien eingesetzt.

1954 wurde die Anlage durch einen Umsetzer CCITT nach Morsecode erweitert, um auch Lochstreifen aus Fernschreibern verarbeiten zu können. Mit Einführung des Eintonkombinationsschreibers ETK-R 55 wurde die Schnelltelegraphie 1958 ausser Dienst gestellt.

Technische Unterlagen

Weitere Informationen

de/automat._schnelltelegraphieanlage_mfa.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/18 08:37 von mb