Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


de:se-412

SE-412

Sprechfunkstation SE-412, VRC-12; hergestellt von Associated Industries.

Ende der Sechzigerjahre wurden mit dem Kauf des amerikanischen Schützenpanzers M113 zwei aus U.S.-amerikanischer Produktion stammende VHF-Sprechfunkgeräte eingeführt: das Tornistergerät SE-227 und das als Mobilgerät auf Fahrzeugen eingesetzte im gleichen militärischen Frequenzband arbeitende SE-412, in der U.S. Army war das Gerät als VRC-12 weitverbreitet.

SE-412

Technische Daten

Stromversorgung

Dimensionen

  • 381 x 152 x 330 mm, 26.4 kg

Zubehör

  • Als Standardantenne wird meist eine AT-912 Rutenantenne mit dem automatischen Antennenabstimmgerät MX 2799 eingesetzt.
  • Alternativ konnte eine Groundplane Fernantenne FA-227/412 mit einem 2,45 m hohen Strahler auf einem 4 m hohen Steckmast errichtet werden. Das Fernantennenmaterial ist in einer 110 x 200 x 12m mm messenden und 9.1 kg schweren Segeltuchtasche verstaut.
  • im Fahrzeugen war ein Bordverstärker eingebaut, der als Bordverständigungsanlage diente.
  • an den Monitor-Kästchen im Fahrzeuig konnte jedes Besatzungsmitglied wählen, welches Programm (Empfänger A, B oder C oder Gegensprechverkehr) auf dem Kopfhörer zu hören war.
  • mit dem Relaisschaltgerät konnten in den ABC-Installationen die beiden Sendeempfänger zu einer Relaisstation zusammengeschaltet werden.
  • an Endgeräten war der Einschluss eines Mikrotel MT H-189 oder der Lärmsprechgarnitur mit Kopfhörer, Kelhkopfmikrophon und Sende- / Empfangsumschalter vorgesehen.
  • Zur Fernbedienung des SE-412, beispielsweise aus einem geschützten Unterstand heraus, dient die Fernbesprechungsausrüstung BFA SE-227/412. Das Ortsbetriebsgerät, welches mit dem SE-412 AUDIO-Eingang verbunden wird, und das Fernbetriebsgerät, werden mit einer üblichen zweiadrigen Feldtelephonleitung verbunden.

—- SE-412 Frontplatte

Bedienung

Das VHF-Sprechfunkgerät deckt den militärischen VHF-Bereich in zwei Bändern (30 - 52,95 und 53 - 75,95 MHz) in 50 kHz Schritten ab, die Sendleistung ist im FM - Telephoniebetrieb umschaltbar, in Stellung POWER LOW wird mit 1 - 3 W eine Reichweite von ca. 5 km erreicht, in Stellung HIGH beträgt die Reichweite 20 - 30 km mit ca. 35 Watt Ausgangsleistung bei Verwendung der Rutenantenne.

Auf der Frontplatte des Sendeempfängers finden sich links oben eine Lampe CALL, die bei Ansprechen des Squelch einen eingehenden Funkspruch signalisiert, daneben liegt der Bandschalter und gleich darunter die Frequenzwahlschalter für die MHz und die kHz-Stellen, die Arbeitsfrequenz wird mechanisch digital in einem kleinen Fensterchen angezeigt.

In der linken unteren Frontplattenecke findet sich der SQUELCH - Schalter für die Rauschsperre: in der Betriebsart SQUELCH OLD wird der Empfänger durch ein eingehendes Signal lautgeschaltet, in Stellung NEW durch einen von einem andern SE-412 / 227 eingehenden 150 Hz - Ton, so dass diese Funktion nur zur Kommunikation mit Stationen aus der gleichen Gerätefamilie nutzbar ist. Gleich daneben liegt der Lautstärkregler.
Rechts neben der Kanal - Merktabelle finden sich der Skalenbeleuchtungs- und der Lautsprecherschalter, darunter der Hauptschalter, mit dem auch von niedriger auf volle Sendeleistung umgeschaltet wird.
Darunter in der Mitte der Frontplatte die Antschlüsse für Relaisbetrieb, das Mikrotel und die Anteuerung des automatischen Antennenabstimmgeräts.
Zur Rechten findet sich oben die Antennenbuchse und darunter der mit einer schlagfesten Lochblende geschützte Gerätelautsprecher.

Der Zusatzempfänger besteht im wesentlichen aus einem identisch aufgebauten Empfangsteil mit ähnlich verteilten Bedienelementen auf der Frontplatte. Mit dem Zusatzempfänger können beispielsweise Funksprüche von vorgesetzter Ebene aufgefangen werden, während auf einer zweiten Frequenz Transceivebetrieb innerhalb einer Stationsgruppe läuft.

In Kommandofahrzeugen war die Funkstation in der Form SE-412ABC eingebaut: ein Sendeempfänger SE-412 (A) stellt die Verbindung zur übergeordneten Stelle sicher, mit einem zweiten (C) können unterstellte Truppenteile angesprochen werden, der Zusatzempfänger (B) dient zum Abhören eines weiteren Kanals.

Als Zusatzausrüstung wurde auch in der Schweizer Armee zur Verständigung in Kettenfahrzeugen die Bord - Gegensprechanlage AM-1780 eingesetzt. Um aus zwei SE-412 eine Relaisstation aufzubauen, gibt es ein Relaisschaltgerät C-2299/URC.

Technisches Prinzip

SE-412, Blocksschaltbild

Röhrenbestückung

Entwicklung

Das frequenzmodulierte VHF-Sprechfunkgerät war von der amerikanischen Avco Corporation entwickelt worden und wurde um 1963 bei der Truppe eingeführt. Mit der Beschaffung des amerikanischen Schützenpanzers M113, der als Schützenpanzer 63 eingeführt wurde, gelangte die Schweizer Armee in Besitz der ersten VRC-12 Funkstationen, mit denen die Kettenfahrzeuge standardmässiog geliefert wurden.

Da sich die Entwicklung des SE-225 im Projekt Peter über die Jahre in die Länge zog, wurde das Funkgerät weiterhin eingesetzt und löste in vielen Aufgabenbereichen als Universalgerät für den Führungsfunk die röhrenbestückten Geräte SE-206/209 und SE-407/411 ab.

Aus dem Provisorium wurde ein Providurium: mit einer Einsatzspanne von 1963 - 2003 war das SE-412 eines der am längsten eingesetzten Funkgeräte in der Schweizer Armee. Noch 1984 wurden bei der Beschaffung des Panzers Leopard II SE-412-Funkgeräte (in der Version RT-246 mit Frequenzspeichertasten) neu eingebaut.

Einsatz

SE-412 ABCDie Sprechfunkstation SE-412 kam in Panzerwagen und anderen militärischen Fahrzeugen verbreitet als Standardfunkgerät zum Einsatz. Es wurde im Führungsfunk und auch im Kommandofunk eingesetzt.

Bei den Übermittlungstruppen war das SE-412 mobil im Kommandowagen Mowag und Kommandowagen Pinzgauer eingebaut, in der Regel als ABC-Version mit zwei Sendeempfängern und einem Zusatzempfänger.


SE.412 halbstationärDes weiteren kam die Station SE-412 halb-stationär in Festungen und Kommandoposten zum Einsatz, für diesen Zweck war die Station in einem Stahlrrohrrahmen mit einem eingebauten Netzspeisegerät verfügbar.

Da die Übermittlung mit dem SE-227 und SE-412 unverschlüsselt erfolgte, mussten Generationen vom Kommandanten die Kunst der verschleierten Sprache erlernen. Mit Verschleierungslisten und verschiedenen Möglichkeiten, Koordination für den Gegner unlesbar durchzugeben, musste der Umstand überwunden werden, dass die Funkkommunikation unverschlüsselt erfolgt und vom Gegner jederzeit mitgehört werden kann.
Erst 1984 verbesserte sich die Situation mit der Einführung der Sprachverschlüsslung mit Einsatz des SVZ-B, des Sprachverschlüsselungszusatzes B. Dieser war als geheim klassifiziert und die Geräte mussten ausserhalb des Einsatzes stets unter Verschluss aufbewahrt werden. Erst mit der Einführung des SE-225 war dann Verschlüsslung integriert ins Funkgerät verfügbar.

Die 11'600 beschafften Geräte blieben teils bis 2003 im Truppeneinsatz und wurden erst 2002/2007 liquidiert.

Technische Unterlagen

Weitere Informationen

de/se-412.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/14 22:19 von mb