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Übermittlung bei den Flieger/Flab-Truppen

Flieger Flab Uem Schon in der Frühzeit der Fliegerei wurde der Bedarf nach Funkkommunikation als Möglichkeit, zwischen Luft und Boden zu kommunizieren, offensichtlich. Die ersten Schritte mit drahtloser Kommunikation erfolgten lediglich in der Richtung Luft - Boden, da aufgrund der Vibration an Bord Detektorempfang nicht möglich war und der Motorenlärm die leisen Geräusche in den Kopfhörern übertönte. Zur Übermittlung Boden - Luft wurden optische Massnahmen wie am Boden ausgelegte Fliegertücher herangezogen.

Nachdem die Abstellung von Funkern des Genie zu den Fliegertruppen aufgrund der ungenügenden fliegertechnischen Kenntnisse in den Manövern der 1. und 3. Division in einem Disaster geendet hatte, und es sich bei der Neuorganisation des Funkwesens herausstellte, dass die Abteilung Genie die von den Fliegern geforderte Anzahl an Funkverbindungen nicht bereitstellen konnte, beantragte die Leitung der Fliegertruppen die Auslösung der Funkkommunikation aus dem Genie. 1938 wurden die Fliegertruppen somit von der Abteilung Genie unabhängig, die Beschaffung von Funkmaterial konnte somit selbständig erfolgen. 1944 setzte der Generalstabschef als Reaktion auf die unkoordinierte Entwicklung des Fliegerfunkwesens die Funkplanungskommission ein, um zumindest die Frequenzplanung zu koordinieren. So konnte aber am 26. April 1938 von Bundesrat Minger als Chef des EMD die Verfügung unterzeichnet werden, dass die Fliegertruppen eine eigene Funker-Rekrutenschule organisieren konnten. Nach kurzer Vorbereitungszeit wurde am 8. Aug. 1938 die erste FliegerfunkRS gestartet, das Flugfunkmaterial war entweder veraltet oder fast ladenneu, in letzterem Fall fehlten dafür die technischen Unterrichtsmaterialien.

In der Vorkriegszeit wurde der immer wichtigere Flugfunk noch auf Kurzwellen abgewickelt, die wenigen Kanäle der frühen Flugfunkgeräte mussten vom Bodenpersonal vorabgeglichen werden. Da dem Piloten die Einstellarbeit am Funkgerät nicht zugemutet werden konnte wurden Bediengeräte für die wichtigsten Einstellungen entwickelt, die Geräte im Flugzeugrumpf fernbedient. Der Fernpeilung zur Standortbestimmung eines Flugzeugs in der Luft war nur eine kurze Existenz beschieden.

In der Nachkriegszeit wurde die Flugfunkaktivität ins VHF-Band verlegt, als auch dort die Kanäle knapp wurden, wurde der militärische Flugfunk in den UHF-Bereich verlegt. Zur Leitung des Flugverkehrs wurden neben dem Flugplatzfunkverkehr zunehmend Radarmittel eingesetzt.

Gerätegenerationen

Frühzeit: FG I, T.S., A-Station

Die ersten militärisch eingesetzten Flugzeuge, in die eine Funkanlage eingebaut wurde, waren die Doppelsitzer Potez 25, Häfeli DH-5 und Fokker CV-E; die Langwellenfunkanlage wurde von einem Propellergenerator mit Strom versorgt. Gegenstation war u.a. die T.S.25 - der Umstand, dass die T.S. der Fliegertruppen nicht auf den moderneren E31 umgerüstet wurde, sondern die Flieger mit dem obsoleten E25 vorliebnehmen musste, zeigt exemplarisch, welche Bedeutung den Fliegertruppen von der Abteilung Genie beigemessen wurde. Die 1935/36 in vier Exemplaren beschaffte A-Station war die erste Grossstation der Flieger und konnte mit den moderneren Geräten auf Kurzwellen kommunizieren.

FG II, FG IV, Z-Station 38, B-Station

In ihrer Unabhängigkeit von der Abteilung Genie konnten die Fliegertruppen am 8. Aug. 1938 die erste Flieger Uem Rekrutenschule starten, in den Flugzeugen Fokker C-V und C-35 kamen SE-002 und SE-004 von Telefunken Zürich zum Einsatz, die Betriebskanäle wurden mechanisch über Bowdenzüge gewählt und vor dem Start vom Bodenpersonal voreingestellt. Ab Bodenstationen waren neben der T.L. die A- und B-Station (G1,5K) im Einsatz. Erstmals in der Schweiz setzten die Fliegertruppen zur Verschlüsslung die deutsche Chiffriermaschine Enigma ein, von der bei Kriegsausbruch prompt einige Geräte zum Armeekommando überstellt werden mussten.

FG IX, FG X, C-Station, D-Station, G-Station

Die Kurzwellen-Grossstationen wurden durch die selbstfahrende C-Station abgelöst; der Sender - technisch sehr ähnlich der G1,5K wurde entsprechend den Bedürfnissen der Fliegertruppen auf den Frequenzbereich 2 - 12 MHz ausgeweitet. Nachdem den Fliegertruppen aufgrund der Frequenz-Knappheit die bisher nicht genutzten Frequenzen 50 - 25 m (6 - 12 MHz) zugeteilt worden war, musste Material mit nach oben erweiterter Frequenzabdeckung beschafft werden.

Schon bald nach Beginn des zweiten Weltkriegs zeigte sich, dass auch die Fliegerabwehr rasch ausgebaut werden musste und entsprechendes Funkmaterial beschafft werden musste: die Flieger benötigten Kurz-Lang-Stationen mit Abdeckung von Lang- & oberem Kurzwellenbereich. Die Fertigung der Telefunken - D-Station, eine Bordstation in Stahlrohrrahmen, zog sich aufgrund der schlechten Beschaffbarkeit von Röhren und Komponenten so in die Länge, dass die Fliegertruppen bei Zellweger eine im Frequenzgang modifizierte FL-Station orderte, die G-Station resp. Kurz-Lang (KL) Zellweger. Die Geräte kamen im Fliegerabwehr - Koordinationsnetz zum Einsatz.

Die T.L.BBC war eine in der Bauweise der T.L. nachempfundene Station, die von 4.6 hinauf bis 15 MHz reichte und auch für Verbindungen Boden-Luft zum Einsatz kam. Auch die Flugzeuge erhielten in den Kriegsjahren mit Mühe beschafftes modernisiertes Material: die von 2 - 12 MHz durchstimmbare Station FG IX, entwickelt von SFR, aufgrund der Besetzung von Frankreich bei Autophon und Zellweger gefertigt. Die Station mit drei vorabgestimmten Kanälen war unzuverlässig und die Ausrüstung der Me 109E und der Morane konnte nur schleppend erfolgen. Ebenso musste die Telefunkenstation 1005 bF als FG X bei Telefunken Albis in Lizenz gefertigt werden und der Einbau in die Morane und C-3603 kam nur sehr langsam voran. Auch der Einsatz des FG XI als Langwellenbake zur Standortbestimmung eines Flugzeugs mittels Fremdpeilung von Flugplatzstationen aus war ab 1942 nur eine Episode.

Zur zentralen Fliegerführung wurde 1942/44 der legendäre "Sender Emil" auf der kleinen Scheidegg installiert, er konnte von Dübendorf aus fernbesprochen werden. Leider vermochte der Sender trotz seiner Ausgangsleistung von 10 kW nicht die ganze Schweiz abzudecken. Zur funktechnischen Versorgung der Alpentäler wurden Bergfunkstationen als Relais eingerichtet; aufgrund des Mangels an Kurzwellensendern wurden aus notgelandeten amerikanischen Bombern ausgebaute Kurzwellenstationen SCR-287 verwendet. In der Nachkriegszeit wurden weitere Gerätesätze aus Surplus erworben und als H-Stationen im Bodenfunkverkehr eingesetzt.

SE-013, SE-015, Z-Station

Nach dem Kriegsende konnte die Schweizer Luftwaffe günstig aus Surplus die Anzahl der Flugzeuge aufstocken, mit 130 Jagdflugzeugen P-51 "Mustang" kam das SCR-522 als erstes VHF-Flugfunkgerät zur Fliegertruppe. In Ermangelung geeigneter Bodenstationen wurde aus Ersatzteilen zusammen mit Schweizer Netzspeisegeräten die Fluplatzstation SE-013/t konstruiert. Um 1948 konnte dann auch eine Hochleistungs-KW/VHF-Station beschafft werden, die SE-405 resp. Z-Station, die als Bodenstation und auch als Relaisstation in den Bergfunkanlagen eingesetzt wurde.

Mit der Anschaffung der Strahlflugzeuge De Havilland Vampire und Venom wurde das britische Flugfunkgerät STR-9X als SE-015 eingeführt, auch dazu gab es eine improvisierte Flugplatzstation.

In diese Periode fallen auch die ersten Versuche mit Radarstationen für ein Frühwarnsystem. Zunächst konnte ein aus amerikanischem Surplus stammendes System LGR-1 beschafft werden, ohne Standzeichenlöschung kam dies mit der Schweizer Topographie schlecht zurecht. Aufgrund amerikanischer Exportbeschränkung entschied man sich zur Beschaffung des Systems ER-220 der französischen SFR. Ab 1954/5 hielt der Richtstrahl bei den Fliegertruppen Einzug, mit der R-900 wurden die Militärflugplätze und Höhenstationen vernetzt.

SE-051, SE-016, Fleiw

1962 wurde die Fliegerleitorganisation modernisiert mit aktuellem Funkmaterial ausgestattet, die Fliegerleitposten und Fliegerleitzentralen wurden mit Richtstrahl mit den Höhenstationen vernetzt. Im Fliegerleitwagen kamen das Flugfunkgerät SE-015, die Station SE-410 (die Flugfunkvariante des SE-407) und das Truppenfunkgerät SE-206 zum Einsatz, abgelöst wurde es vom SE-227.

Mit der infolge von Kostenüberschreitungen skandalumwitterten Beschaffung des Jägers Mirage wurden französische Flugfunkgeräte eingeführt, das SE-016 von Omera. Mit der Verlegung des Flugfunks ins UHF-Band wurde auf das UHF-Gerät SE-051 umgerüstet, als Bodenstationen in den Höhenstationen die Station SE-351.

Zur Automatisierung der Luftüberwachung wurde 1970 das System FLORIDA eingeführt, mit dem die Radardaten der Höhenradarstationen ausgewertet und für die Einsatzleitung verwendet werden. Das Frühwarnsystem FLORIDA wird mit dem taktischen Fliegerradar TAFLIR zur Erfassung tieffliegender Objekte erweitert. Miz dem SZUS- und dem Omega-System erhält die Luftwaffe die Möglichkeiten zur elektronischen Aufklärung im VHF-, UHF- und Radarbereich.

SE-225, SE-035

Als Nachfolgesystem zum SE-206 wurde ab den späten Sechzigerjahren das SE-225 entwickelt. Dieses „Projekt Peter“ floppte, während der Entwicklungszeit erfolgte der Übergang von der Röhren- zur Transistorära. 1972 wurde die Entwicklung gestoppt, später wieder aufgenommen, die Anforderungen wurden erweitert. Zuletzt wurde das SE-225 zu einem modernen Bündelfunkgerät mit automatischer Kanalwahl und integrierter Verschlüsselung. Die Infanterie mochte die Entwicklung nicht abwarten und setzte auf die amerikanischen SE-227/SE-412, erst Jahre später wurde mit dem SVZ-B elektronische Verschlüsselung eingeführt. So blieben die Fliegertruppen die einzige Truppengattung, in der das SE-225 zum Einsatz kam.

Das mit der SE-x35 Familie kompatible VHF-Flugfunkgerät SE-035 kam in Transporthelikoptern zur Kommunikation mit Truppenfunkgeräten zum Einsatz.

Technische Unterlagen

Weitere Informationen

  • 50 Jahre FF Na/Uem Schulen, Festschrift herausgegeben vom Kommando der FF Na/Uem Schulen, 8600 Dübendorf, 1988
de/uebermittlung_bei_den_fliegertruppen.txt · Zuletzt geändert: 2022/12/01 22:06 von mboesch